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Will Toledo sieht aus wie der Klassenbeste im Englisch-Leistungskurs, und seine Lieder klingen, als wäre er der Klassenbeste im Englisch-Leistungskurs. In seinen Texten gibt es Referenzen zur Weltliteratur, er ist Romantiker mit Hang zur Selbstbespiegelung, die Alben werden von konzeptueller Ambition zusammengehalten. Wie der Klassenbeste ist Will Toledo auch ehrgeizig und fleißig – er hat vor einigen Jahren, das ist erstaunlich, als 17-jähriger innerhalb von vier Monaten vier Alben bei Bandcamp hochgeladen, und die sind, das ist noch erstaunlicher, gar nicht schlecht. Toledo ist aber auch geplagt von düsteren Gedanken und Wut, und der Angst eines jungen Queeren vor der Homophobie seines Umfeldes. Er schreibt Lieder, die sich dieser Finsternis schonungslos widmen, und er tut das in dem Genre, das von finsteren Teenagern für finstere Teenager erfunden wurde, dem Indie-Rock.

Sein jüngstes Album, das tolle „Twin Fantasy“, ist die Neuaufnahme eines Albums, das er bereits 2011 im Alleingang aufgenommen und bei Bandcamp veröffentlicht hatte. Seine Begabung und seine Ambition standen damals aber noch in einem Missverhältnis zu seinen technischen Fähigkeiten und der Qualität der Produktionsmittel, die ihm zur Verfügung standen. Jetzt, wo er Geld hat, ein bisschen wenigstens, hat er das Album richtig aufgenommen, und die alten Lieder werden nun nicht mehr von Lo-Fi-Verzerrung begraben, sondern leuchten in ganzem Glanz und lassen sich nun eindeutig als die Großwerke erkennen, die sie schon immer waren.